Mär23

Zweiter Tag an der Zuckmayer-Schule

Kategorie // Hospitation, Schule, Berlin

Bericht eines abwechslungsreichen und spannenden Tages von Hannelore

Nach einem kurzen Austausch mit Gabi hatten Sabine und ich die Gelegenheit bei dem von der „2.Chance“ veranstalteten Anti-Aggressionstraining für Jungen zu hospitieren. Dieses Training wird von Levant Gülfirat geleitet und über 8 Wochen zu je 2 Schulstunden abgehalten. Levant erzählte uns, dass die Ziele dieses Trainings sehr niedrig gesteckt sind, beispielsweise, dass die Jungs lernen ruhig zuzuhören, aufzuzeigen, bevor man etwas sagt etc. Übergeordnetes Ziel ist der richtige Umgang mit Aggressionen. Die Burschengruppe mit 14 Jungs war voller Eifer dabei. Beeindruckend war auch die Konsequenz hinsichtlich der Regeleinhaltung und Geduld von Levant, da einige der Jugendlichen immer wieder Grenzen austesteten. Ich fand diese 2h sehr spannend, da es mir auch die Gelegenheit bot, einen erfahrenen Trainer mit einer herausfordernden Gruppe zu beobachten. Immer wieder stellte sich mir die Frage: „ Wie würde ich nun vorgehen?“ Strenges und konsequentes Handeln sind zu Beginn dieses Trainings eines der wichtigsten Voraussetzungen, damit es funktionieren kann, erklärte uns Levant. Denn die Kids kennen zum Teil nur harte Worte und hören leider oftmals auch nur mehr auf diese. 

Als wir vom Training wieder in den Beratungsraum von Gabi kamen, wurde sie gerade von Schüler/innen belagert, die sie um ihre Hilfe baten oder Termine für Beratungen ausmachen wollten. Gabi regelte dies mit einer routinierten Ruhe und nach einer kurzen Pause erklärte sie uns ihre Aufgaben an der Zuckmayer-Schule. Neben Einzelfallbegleitungen (derzeit eher weniger), zählen Krisen- und Konfliktinterventionen und Gruppenangebote zu ihren Hauptaufgaben. Eines dieser Gruppenangebote  (Mädchengruppe-Freizeitangebot der 7.Schulstufe) durften wir am Nachmittag miterleben. Aber dazu genaueres noch später.

Der Ablauf der Terminvergabe für Beratungen gestaltet sich ähnlich meiner: Kids fragen entweder selbst die Lehrerin oder den Lehrer, ob sie kommen dürfen, oder die Lehrer/innen kommen wegen eines Problems auf Gabi zu. Diese „Fallbesprechungen“ sind oftmals, ähnlich wie bei mir, „Tür- und Angel-Gespräche“. Bei Bedarf werden weitere Termine mit der/dem Jugendlichen vereinbart und  weiterer/neuerlicher Kontakt zu den betreffenden Lehrer/innen bzw. zu den Eltern des Jugendlichen/der Jugendlichen hergestellt.

Gabi ist erst seit August an der Zuckmayer-Schule (Sekundär-Schule). Zuvor war sie an einer Hauptschule. Die Kooperation Schule-Schulsozialarbeit ist demnach erst im Aufbau und durchaus, meinen Beobachtungen zufolge, mit einigen Herausforderungen verbunden. Dieses Phänomen ist mir nicht fremd und es scheint, dass, trotz langjähriger Verwurzelung der Schulsozialarbeit in Berlin, die Zusammenarbeit Schule/Schulsozialarbeit für beiderlei Seiten immer wieder eine neue Herausforderung darstellt.

Es folgte noch ein Methodenaustausch, anschließend gönnten wir uns eine kurze Mittagspause.

Danach folgte der Nachmittag mit der Mädchengruppe der 7.Schulstufe. Die Mädchen waren sehr interessiert und neugierig und wir duften viele Fragen beantworten. Danach folgte spontan ein Rollenspiel, welches einen Konflikt eines Mädchens mit einer Lehrerin besser veranschaulichen sollte. Eigentlich hatten Gabi und ihre Kolleginnen (Selma, Gabis sehr nette Praktikantin und eine weitere Kollegin, aus einer anderen Schule, die sie bei diesem Gruppennachmittag unterstützt) etwas anderes geplant. Jedoch dieser Konflikt beschäftigte die Mädchen so sehr, dass wir mehr als eine Stunde damit verbrachten, diesen in der Gruppe zu diskutieren. Bei Saft und Keksen verbrachten wir die restliche Zeit noch tratschender Weise. Dieser Nachmittag war für mich ein sehr feiner Abschluss der Hospitationsreise durch die beiden Berliner Schulen. Vielen Dank liebe Gabi für die tollen Diskussionen und Praxiseinblicke! Und auch für das richtige Maß an Input, Praxis und Pausen!

Nach diesem Tag verbrachten Sabine und ich noch die restliche Zeit damit, unsere Eindrücke zu diskutieren und mit unseren eigenen Alltagserfahrungen zu vergleichen.

Und so wie Stefanie und Gabi bereits prophezeiten: Die Eindrücke wirken noch einige Zeit sehr intensiv nach…

Kommentare (1)

  • Sabine Heiling

    Sabine Heiling

    27 März 2012 um 14:49 |
    Ich schreibe jetzt nur mehr einen Kommentar dazu, da Hannelore schon einen sehr guten und ausführlichen Bericht geschrieben hat. Für mich persönlich war es wichtig zu sehen, dass ein Arbeitsalltag von Gabi und uns ziemlich ähnlich abläuft. Die SchülerInnen von Gabi standen Schlange um einen Termin. Besonders hervorheben möchte ich aber den Mädchennachmittag. Für mich war es toll, mich einbringen zu können. Die Mädchen haben uns gleich in die Gruppe aufgenommen und waren sehr interessiert an unserer Tätigkeit. Auch mein besonderer Dank gilt Levant, dass wir am Antiaggressionstraining teilnehmen durften. Es gab mir einen neuen Einblick in die Arbeit mit Burschen und diesen werde ich auch mit nach Hause nehmen. Vor allem möchte ich hier noch einmal Danke an Gabi und Steffi sagen für die tollen Tage in Berlin

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.